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Überfall der EPT Berlin

Aus Donkpedia, dem vielseitigen Pokerlexikon
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Am 6. März 2010 ereignete sich ein Überfall auf die EPT Berlin.

Vorfall

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Am helllichten Tag, gegen kurz nach 14.00 Uhr, drangen vier, mit Kleinkaliber und Stichwaffen ausgerüstete und maskierte Räuber in den vorderen Turnierbereich ein. Sie versuchten am Cashier, der etwas abseits des Turniersaals untergebracht ist und wo die Auszahlung der Turniergewinne stattfindet, ihre Beute zu machen. Es haben sich auf Grund des Highroller-Events schätzungsweise knapp 750.000 Euro zu dem Zeitpunkt dort befunden. Der Angriff erfolgte zu dem Zeitpunkt, als das Geld auf dem Weg zum Tresor war. Es brach Panik im angrenzenden Turniersaal aus und die Spieler flüchteten aus diesem Saal durch den Hinterausgang.

Nach Angaben des Veranstalters gab es „keinen Schusswechsel“, zudem wurde „nur eine geringe Geldmenge entwendet“.

Nach zehn Minuten rückte die Polizei an (diverse Fotos zu dem Vorfall). Es wurden bei dem Überfall jedoch nur einige Personen leicht verletzt, wonach das Spiel zunächst auf unbestimmte Zeit pausierte. Der EPT-Security war es gelungen den Angreifern den größten Teil der Beute wieder zu entreißen, wonach die Täter die Flucht ergriffen.

Die Beute wird derzeit auf knapp 250.000 Euro beziffert. Der Vorgang sei laut Polizeiangaben äußerst „chaotisch und dilettantisch ausgeführt worden“.

Auswirkungen

Aufgrund der Panik im Turniersaal, mit umgestoßenen Tischen, dauerte es einige Stunden bis wieder Ordnung im Ballsaal des Hyatt herrschte. Nachdem lediglich feucht durchgewischt wurde und die Chipsstacks sortiert waren, konnte das Spiel mit einer grandiosen Arbeit von Thomas Kremser fortgesetzt werden. Letztlich ist der Vorfall, an einem der schwärzesten Pokertage der Neuzeit, relativ glimpflich zu Ende gegangen, jedoch werden sich die Spieler nun an deutlich verschärfte Sicherheitsmaßnahmen bei Pokerturnieren gewöhnen werden müssen.

Das Hauptturnier konnte nach viereinhalb Stunden fortgesetzt werden. Kevin MacPhee war einer der wenigen, die sich zunächst für einen Abbruch einsetzten, er konnte jedoch überredet werden weiter zu spielen.

Zudem fanden diversen Nebenturniere statt, die fast allesamt fortgesetzt werden konnten. Lediglich ein Turnier mit einem Buy in von 1.100 Euro musste abgebrochen werden, da sich die Chipstände vor dem Überfall nicht mehr rekonstruieren lassen konnten.

Mediales Echo

Als Jamie Gold das Rekordpreisgeld von zwölf Millionen US-Dollar gewann, gab es keine Breaking News. Auch als der legendäre Chip Reese verstarb, war absolut nichts in größeren Medien zu lesen; und Sebastian Ruthenberg ist trotz WSOP und EPT-Titel wohl 99 % der deutschen Bürger unbekannt.

Nun war leider ein dilettantischer Raubüberfall der Anlass für die Massenmedien, sich auf das beliebteste Kartenspiel zu stürzen.

Ein weiteres „leider“ musste über einen Großteil der Berichterstattung vergeben werden. Eine große deutsche Boulevardzeitung mit vier Buchstaben berichtete wie gewohnt extrem reißerisch über den Vorfall, von vielen weiteren Medien wurden viele unwahre Spekulationen verbreitet. Es wurden unbestätigte Handgranaten, Bomben und gestohlene Millionen-Jackpots in den Umlauf gebracht, was offensichtlich nicht zutraf.

Zudem wurden Einzelheiten über das Turnier, sowie das Pokerspiel an sich völlig falsch dargestellt, von einem „Promi-Turnier“ war die Rede. Vielleicht war der eigentliche Vorfall an sich zu langweilig, um eine Headline zu produzieren. Von der eigentlich angesehenen F.A.Z. wurde sogar allen Ernstes spekuliert, ob es sich um einen PR-Gag gehandelt haben könnte. Die Krone des polemischen Journalismus setzte sich "Der Stern" auf, aber wer hat auch Horst Koch zu diesem Thema befragt...

Ein Lob hingegen musste an die öffentlich-rechtliche Berichterstattung verteilt werden. Sie waren zwar nicht die schnellsten, berichteten aber in einer sachlichen und vernünftig recherchierten Art und Weise.

Dieses Spiel ist eine ernstzunehmende Bewegung, Freizeitbeschäftigung von dutzenden Millionen Menschen auf unserer Erde und in einer solchen mangelhaften Art und Weise sollte nicht vom Pokerspiel — viele mögen es eventuell korrekterweise als Sport bezeichnen — berichtet werden.

Aufklärung

Am 10. März wurde ein Beitrag im ZDF-Magazin „Aktenzeichen XY … ungelöst“ zur die Aufklärung des Falles gesendet.

Knapp eine Woche nach dem Überfall meldete die Berliner Morgenpost, dass ein erster Verdächtiger festgenommen worden sei. Einen Tag später wurde der Tatverdächtige jedoch aufgrund von mangelnden Beweisen wieder frei gelassen. Die Person stand jedoch in engen Kontakt zu den vier Tätern.

Seit dem 15. März befindet sich ein mutmaßliche Täter, jener der zum Tatzeitpunkt den roten Pullover trug, in Untersuchungshaft. Wie die Bild exklusiv berichtete, legte der 21 Jahre alte Täter ein Geständnis ab, nachdem er sich freiwillig der Polizei stellte. Er gab an, dass die Beute zu gleichen Teilen aufgeteilt wurde und sein Anteil noch Verfügbar sei. Zudem benannte er seine Komplizen, konnte aber keine Angaben über ihren Aufenthaltsort machen.

Bei den Tätern soll es sich laut Pressekonferenz der Polizei am 17. März 2010 um vier junge Erwachsene zwischen 19 und 21 Jahren, arabischer Herkunft mit teils deutscher Staatsbürgerschaft, handeln. Dabei wurden die drei konkreten Namen der Flüchtigen genannt, die dringend Tatverdächtig sind, wobei gegen jene Personen ein Haftbefehl erlassen wurde. Somit sei laut der Staatsanwaltschaft der Fall de facto gelöst.

Die Polizei hatte anscheinend Informationen der Bild-Zeitung übergeben, die sich an eine Absprache nicht hielt und bereits gegen Mitternacht die Meldung der Festnahme veröffentlichte. Dabei soll diese Publikation den Zugriff auf die Mittäter massiv gefährdet haben. Die drei Mittäter sind laut Polizei zum Zeitpunkt des Zugriffes nicht an ihrem Wohnort gewesen.

Am Abend der Polizei-PK wurde ein zweiter Täter gefasst, sodass noch die beiden anderen Beschuldigten auf freiem Fuß waren. Der dritte mutmaßliche Täter wurde am 20. März, zwei Wochen nach dem Überfall, am Berliner Flughafen Tegel festgenommen, da er von einem Auslandaufenthalt zurückkehrte um sich zu stellen. Auch der vierte Mann kehrte auf Grund des Fahndungsdrucks aus seinem Türkeiaufenthalt zurück und ergab sich den Justizbehörden.

Weblinks